Brücke zu IT-Fachkräften

: 22.03.2010

Das Thema Softwareentwicklung in internationalen Teams hat über 50 Teilnehmer aus der Rhein-Neckar-Region in die Heidelberger Print Media Academy geführt. Bei der Dialogveranstaltung des Technologienetzwerks Baden-Württemberg: Connected (bwcon) und des IT-Forums Rhein-Neckar gaben drei Referenten aus Wissenschaft und Praxis einen Einblick in das Thema Nearshoring.

„Zwei Drittel aller Unternehmen haben einen hohen Bedarf an qualifizierten IT-Fachkräften – und dieser kann durch die Absolventenzahlen auf lange Sicht nicht mehr aufgefangen werden“, erklärte Albrecht Metter, Gründer und Chef des IT-Dienstleisters ameria GmbH. Gerade mittelständische Unternehmen hindere dies, Innovationen umzusetzen und weiter zu wachsen. Eine Lösung: spezialisierte Programmierteams aus dem nahen Ausland. Dabei arbeitet erstklassig ausgebildetes IT-Fachpersonal benachbarter Länder eng mit den deutschen Unternehmen zusammen. Was in den USA und Mexiko schon seit einigen Jahren als Erfolgsmodell gilt, rückt nun auch in Europa zunehmend in den Fokus.

Länderübergreifend effizient zusammenarbeiten

Die Heidelberger ameria GmbH stellt mittelständischen und großen Unternehmen hochqualifizierte IT-Fachkräfte zur Verfügung, die zu günstigen Konditionen im nahegelegenen europäischen Ausland arbeiten. Über 100 Entwickler und Designer beschäftigt das Heidelberger Unternehmen bereits auf der Krim. „Managed Nearshoring bringt das Team des Kunden und unsere Entwickler effizient zusammen“, erklärte Metter. „Unsere Heidelberger Projektmanager agieren als Brückenkopf und sorgen für eine reibungslose Kommunikation in jeder Projektphase.“ Diese Aussage unterstrich Gaby Munz, Geschäftsführerin der Agentur 21TORR Interactive, die mit ihrem Vortrag die Zusammenarbeit mit ameria aus Kundensicht vorstellte. „Nach einer Einarbeitungszeit von wenigen Monaten lief die Zusammenarbeit zwischen unserem Projektteam in Reutlingen und unseren ameria-Programmierern auf der Krim ohne Probleme“, sagte Munz. „Unsere Projekte können wir jetzt schneller und in höchster Qualität abwickeln. Wir würden uns jederzeit wieder für Nearshoring entscheiden“, so die Agenturchefin weiter. Selbst kurzfristige Kundenentscheidungen und straffe Zeitpläne stellten kein Hindernis dar. „Unser Programmierteam können wir jederzeit aufstocken. Das ist ein echter Wettbewerbsvorteil“, so Munz. Qualifizierte Programmierer oder Designer seien hierzulande immer schwerer zu finden.

Strategisches Mittel gegen Fachkräftemangel

Ergänzend zu den praktischen Beispielen lieferte Prof. Dr. Armin Heinzl von der Universität Mannheim einen Überblick über die Chancen und Risiken des Nearshorings „Es ist ein Desaster, dass deutsche Unternehmen keinen qualifizierten IT-Nachwuchs finden. Das sind Verfehlungen unserer Bildungspolitik“, betonte der bwcon-Vorstand nachdrücklich. Die verteilte Softwareentwicklung sei eine Möglichkeit, diesem Fachkräftemangel strategisch entgegenzutreten. „Wichtig ist, dass die Kenntnisse über Auslagerungsprozesse in mittelständischen Unternehmen erhöht und so vorhandene Vorurteile systematisch abgebaut werden“, ergänzte Heinzl. Er entwickelt derzeit in einem Forschungsprojekt eine Entscheidungsmatrix, mit der Firmen feststellen können, welche Bausteine einer Softwarearchitektur in Zusammenarbeit mit anderen Teams programmiert werden können. Denn natürlich eigne sich nicht jeder Teil eines Projekts zur Vergabe an ausländische Teams. „Wir müssen zu einer Industrialisierung der Softwareproduktion kommen. Nur so können hierzulande langfristig Innovationen überhaupt noch umgesetzt werden.“ Der Kostenvorteil beim Nearshoring sei zwar vorhanden, aber ein zu vernachlässigendes Argument.

Bevor die Veranstaltung in der Print Media Lounge endete, gaben die drei Referenten den Gästen noch ihre Überzeugung mit auf den Weg: Auch wenn ein Unternehmen am Anfang viel Zeit in Prozesse und Arbeitsabläufe investieren muss, zahlt sich verteilte Softwareentwicklung mit internationalen Teams auf lange Sicht aus.

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